Konkrete Fragen an Nestlé

Die Thematik in "Bottled Life" führt zu grunsätzlichen Fragen im Zusammenhang mit Wasser. Wem gehören die Quellen und Grundwasserströme? Wer darf sie nutzen? Zu welchem Preis?

Die Thematik im Film führt aber auch zu ganz konkreten Fragen. Hier der Fragenkatalog, den wir Nestlé unterbreiteten:

 

 

Nestlés Engagement in Aethiopien

Nestlé hat am 11. Oktober 2007 das Video "Saving Lives Through Clean Water" auf die Website der Firma  gestellt. In diesem Video thematisiert Nestlé das firmeneigene Engagment für die Wasserversorgung eines Flüchtlingslagers im östlichen Äthiopien. Peter Brabeck sagt im Video: "Our aim is to make sure that the water system can keep functioning over the long term. So that the people of the region, and there children, will  have access to clean water for many years in the future."

Gemäss den Informationen von DokLab hat sich Nestlé nach 2004 weder finanziell noch personell weiter für das Projekt in Äthiopien engagiert. In verschiedenen Publikationen der letzten Jahre hat das UNHCR darauf aufmerksam gemacht, dass die Flüchtlinge im Lager Kebribeyah zeitweise weniger als die Minimalmenge von 20 Litern Wasser pro Person und Tag erhalten.

 

Frage 1

Warum hat Nestlé noch im Jahr 2007 das oben genannte Video zur Hilfsaktion im 

Flüchtlingslager Kebribeyah ins Netz gestellt, zu einem Zeitpunkt, als das Nestlé-Engagement bereits beendet war? 

 

Frage 2

Peter Brabeck sagt im Video, es sei Nestlés Ziel, dass das Wassersystem in Kebribeyah langfristig funktioniere. Was unternimmt Nestlé, um dieses Ziel zu erreichen? Wie ist diese Aussage des Nestlé-Präsidenten zu verstehen?

 

 

Pakistan und Nestlé Pure Life

Im Rahmen der Filmarbeiten hat DokLab unweit der Millionenstadt Lahore die Region Sheikhupura und die Umgebung der dort ansässigen Nestlé-Produktionsanlagen besucht. In Sheikhupura stellt Nestlé u.a. das Flaschenwasser Nestlé Pure Life her.

 

Frage 3

Was sagt Nestlé zum Vorwurf, die Fabrik Sheikhupura sei verantwortlich für die Absenkung des Grundwasserspiegels rund um das Dorf Bhati Dilwan, die zum Austrocknen mehrerer Brunnen in der Umgebung des Firmengeländes geführt habe? 

 

Frage 4

Rund 200 Personen aus Bhati Dilwan haben sich mit einer Petition an Nestlé gewandt, in der sie um Zugang zum Wasser bitten, das Nestlé mit seinem Tiefbrunnen fördert. Nestlé ist offenbar nicht auf diese Bitte eingegangen. Warum nicht?

 

Frage 5

Nestlé hat im Zusammenhang mit der Erweiterung der Pure-Life-Produktion in Sheikhupura eine Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt. Gemäss Fakhar Syed von Nestlé Pakistan behandelt dieser Bericht auch Fragen rund um die Auswirkungen der Wasserentnahme auf den Grundwasserspiegel. Weshalb hat Nestlé diese Studie nie publiziert? Weshalb hat Herr Syed von Nestlé auf die wiederholte telefonische und schriftliche Nachfrage von DokLab betreffend Umweltverträglichkeitsprüfung nicht reagiert? 

 

Frage 6

Laut Aussagen von Peter Brabeck ist es Nestlés Geschäftspolitik, die Marke Pure Life nicht weiter als 200 Kilometer zu transportieren, um Transportkosten niedrig zu halten, und um den ökologischen Fussabdruck zu vermindern. Nestlé exportiert Pure Life aus Pakistan aber bis nach Afghanistan. Wie erklärt Nestlé diesen Widerspruch?

 

 

Nestlés Reaktion

 

Zehn Tage später schrieb uns Nestlé in einem Mail:


"Wie bereits mitgeteilt, haben wir uns entschieden, nicht in Ihrem Filmprojekt mitzuwirken."